Einordnung

Process AI ist die erste Anwendung auf der Architektur — die für industrielle Umgebungen. Darunter liegt die Neuronal Autonomous Architecture, die auch andere Einsatzfelder trägt; bedient wird alles in der Plattform. Wenn Sie prüfen wollen, ob sich das bei Ihnen rechnet, ist ein Pilot der begrenzte erste Schritt.

Das Problem: Alarmgrenzen sehen nur den Einbruch

Eine feste Alarmgrenze kennt genau zwei Zustände: darunter und darüber. Sie meldet, wenn ein Wert einen Schwellwert reisst — also in dem Moment, in dem der Schaden bereits eingetreten ist. Für alles davor ist sie strukturell blind: für den Lagerschaden, der sich über Wochen ankündigt, für die Düse, die langsam zusetzt, für die Kupplung, deren Moment sich Grad für Grad verschiebt. Jeder einzelne Messwert bleibt im grünen Bereich. Die Bewegung dahin sieht niemand.

Dazu kommt das zweite Problem: Ein Alarm sagt dass etwas ist, nicht was. Eine rote Lampe an der Linie schickt jemanden los, der erst einmal sucht. Die Zeit zwischen Meldung und Diagnose ist der teuerste Teil eines Stillstands — und der Teil, den keine Alarmgrenze verkürzt.

Was Process AI tut

Process AI verbindet sich direkt mit der Maschinensteuerung, liest jeden Sensorwert im Moment seiner Entstehung und entscheidet kontinuierlich, ob sich die Maschine normal verhält. Mehrere hundert Signale einer Steuerung werden dabei im Sekundentakt bewertet. Statt auf eine grosse Abweichung zu warten, summiert das System viele kleine — und meldet die Bewegung, nicht erst das Ergebnis.

Der erklärte Alarm

Ein Alarm kommt nie allein. Er trägt vier Angaben, und genau diese vier machen aus einer Meldung eine Arbeitsanweisung:

Welcher SensorDer verantwortliche Messpunkt, benannt — nicht die Maschine als Ganzes
Welcher WertDer Ist-Wert im Moment der Auffälligkeit
Welcher Wert wäre normalDer erwartete Bereich, gegen den gemessen wurde
In welche RichtungOb der Wert steigt oder fällt — die Bewegung, nicht nur der Punkt

Der Unterschied im Betrieb: Der Instandhalter geht nicht zur Maschine, um zu suchen. Er geht zu einem benannten Messpunkt.

Was heute belegbar ist

Die folgenden Punkte sind implementiert und an realer Anlagen-Hardware verifiziert. Was darüber hinaus geplant ist, steht in der Roadmap — und zwar als Roadmap, nicht als Merkmal.

Erklärt jeden AlarmNicht ein Score — der benannte Sensor, sein Messwert, der erwartete Wert und die Richtung der Abweichung
Fängt langsame ProblemeSchleichende Drift über Stunden, für die feste Alarmgrenzen strukturell blind sind
Startet ohne TrainingsdatenBaseline aus den ersten Messwerten — Nutzen ab Woche eins, ohne Datensammelprojekt
Nichts verlässt das WerkErkennung, Historie und KI-Assistent auf Kundenhardware — air-gap-fähig
Konfiguriert, nicht programmiertEine neue Maschine ist eine Konfigurationsdatei, kein Softwareprojekt
Trainiert auf echten DatenReale Produktionsdaten einer realen Linie — keine Simulation, kein öffentlicher Datensatz

Bereits angebunden

Die Frage, die nach „was kann es" kommt, lautet immer: passt das zu unserer Anlage? Diese Steuerungs- und Robotersysteme sind angebunden — als umgesetzte Integrationen, nicht als Kompatibilitätsliste aus einem Datenblatt.

Steuerungen
  • Beckhoff TwinCAT 3
  • Siemens TIA Portal
  • OPC UA
Robotik
  • KUKA KRC
  • ABB
  • FANUC

Steht Ihre Steuerung nicht dabei, heißt das nicht nein — es heißt, dass wir den Aufwand im Scoping benennen, bevor ein Angebot entsteht. Für Beckhoff/TwinCAT gilt zusätzlich: an echter Anlagen-Hardware verifiziert.

Anbindung: was gelesen wird, was Sie bereitstellen

Die Anbindung erfolgt lesend über die Schnittstellen, die Ihre Steuerung ohnehin mitbringt. Es kommt keine Gateway-Hardware dazu, und am Steuerungsprogramm wird nichts geändert.

Steuerungen und RobotikVorhanden — Beckhoff TwinCAT 3, Siemens TIA Portal, OPC UA, KUKA KRC, ABB, FANUC. Beckhoff/TwinCAT zusätzlich an echter Anlagen-Hardware verifiziert
Weitere QuellenWeb-Datenschnittstellen des Kunden
Zusätzliche HardwareKeine — kein Gateway, keine nachgerüsteten Sensoren
Eingriff in die SteuerungKeiner. Lesender Zugriff, das Steuerungsprogramm bleibt unverändert
Was Ihr Standort brauchtSteht nach der Umgebungsanalyse fest — vor dem Angebot, nicht in der Schlussrechnung

Alt-Steuerungen ohne diese Schnittstellen sind möglich, kosten aber Aufwand. Das sagen wir im Scoping, nicht hinterher.

Was wir Ihnen nicht versprechen

Ein Anbieter, der Ihnen vor dem ersten Blick auf Ihre Daten eine Genauigkeit nennt, rät. Wir nennen keine Genauigkeit vorab, rechnen keine Ergebnisse aus fremden Werken hoch und versprechen keine Vorhersagen, bevor unsere Vorhersagen an der Realität gemessen sind. Wir sagen Ihnen auch nicht, welches Bauteil als nächstes ausfällt. Was heute belegbar ist, steht oben — damit arbeiten Sie ab Woche eins.

Darüber: Henri

Process AI arbeitet vollständig eigenständig. Henri — der autonome neuronale Core — ist die Ebene darüber: Kontext, Zusammenhänge und Zustände über allen Datenquellen, nicht nur über einer Maschine. Henri kann mit Process AI verbunden werden — muss aber nicht.

Der Zusammenhang in einem Satz: Process AI ist eine Anwendung auf der Architektur — die erste. Die Architektur ist das Bleibende, die Anwendung das Austauschbare.

Häufig gestellte Fragen

Wo sitzt Process AI in der SynapSync-Architektur?

Process AI ist die erste Anwendung auf der Architektur — die für industrielle Umgebungen. Dieselbe Architektur trägt auch andere Einsatzfelder; Process AI ist die einzige, die heute produktiv läuft. Bedient wird alles in der Secure AI Infrastructure Platform. Für den Betrieb heisst das: Sie kaufen Process AI, Sie arbeiten in der Plattform — und Henri kann darüber liegen, muss aber nicht.

Braucht Process AI historische Daten, bevor es losgeht?

Nein. Der universelle Drift-Watchdog lernt die Normalbereiche jedes Signals aus den ersten Messwerten und überwacht ab dann kontinuierlich — ohne Trainingsdaten, ohne Datensammelprojekt. Maschinenspezifisch trainierte Modelle kommen dazu, sobald Ihre Datenlage es hergibt.

Was unterscheidet das von unseren bestehenden Alarmen?

Zwei Dinge. Erstens erkennt Process AI schleichende Drift, die nie eine feste Alarmgrenze reisst — sie summiert kleine Abweichungen, statt auf eine grosse zu warten. Zweitens erklärt jeder Alarm sich selbst: benannter Sensor, Ist-Wert, erwarteter Wert, Richtung der Abweichung — eine Arbeitsanweisung statt einer roten Lampe.

Welche Steuerungen und Robotersysteme sind angebunden?

Steuerungen: Beckhoff TwinCAT 3, Siemens TIA Portal und OPC UA. Robotik: KUKA KRC, ABB und FANUC. Dazu Web-Datenschnittstellen des Kunden. Für Beckhoff/TwinCAT gilt zusätzlich: an echter Anlagen-Hardware verifiziert. In allen Fällen ohne Gateway-Hardware und ohne Änderung am Steuerungsprogramm. Steht Ihre Steuerung nicht dabei, benennen wir den Aufwand im Scoping — vor dem Angebot.

Verlassen unsere Produktionsdaten das Haus?

Nein. Erkennung, Fehlerhistorie und der KI-Assistent laufen vollständig auf Ihrer Hardware. Keine Cloud-Verbindung nötig — das System funktioniert auch air-gapped.

Welche Genauigkeit kann ich erwarten?

Das sagen wir Ihnen vorher nicht — und misstrauen Sie jedem, der es tut. Die Genauigkeit hängt von Ihren Daten, Maschinen und Sensoren ab. Was wir zusagen: Im Rahmen des Piloten erhalten Sie einen Genauigkeitsbericht für Ihre eigene Anlage, gemessen an Ihren Daten.